The show must go on

The show must go on

Wie der Titel schon vermuten lässt, gibt es einige neue Impulse. Das Referendariat ist nun vorbei, was bedeutet: ich habe wieder ein Leben. Ok, vielleicht etwas übertrieben, aber tatsächlich habe ich diesen Blog in den letzten Monaten zugegebenermaßen vernachlässigt. Ich war jedoch durchaus nicht untätig, was LdL betrifft und diese Erfahrungen möchte ich mit euch teilen.

1. Der Artikel

Im Februar war es endlich soweit, mein erster Artikel ist in der Fachzeitschrift Pädagogik (02/15) erschienen: „Lernen durch Lehren ganz konkret – die Erprobung eines herausfordernden Konzepts im Fremdsprachenunterricht“. 

In diesem Aufsatz schildere ich, wie auch im Blog, meine Erfahrungen mit LdL in der 7.Klasse Französisch, biete aber zugleich eine konkrete Anleitung, wie man LdL selbst im Unterricht anwenden kann und was es dabei zu beachten gilt.

Feedback: Immer wieder erreichen mich Anfragen aus verschiedenen Bildungseinrichtungen. Deshalb werde ich ab Juni sozusagen auf Tour gehen und Workshops/Fortbildungen abhalten.

2. LdL in einer höchst herausfordernden Klasse

Gegen Ende des Referendariats bekam ich die Gelegenheit, in einer äußerst schwierigen Klasse LdL einzuführen. Diese 7. Klasse war mit 31 Schülern viel zu groß, um mit den herkömmlichen Methoden alle zum Zuhören und Mitmachen motivieren zu können. Zudem handelte es sich um eine sehr heterogene Lerngruppe, was die Stoffvermittlung erschwerte. Aus erzieherischer Sicht war die Klasse eine Herausforderung, die es zu meistern galt. Nach einem sehr strengen Einstieg gelang es mir, die Schüler so weit es ging zu bändigen und sie zur Mitarbeit zu motivieren. Allerdings kam gerade in der 6. Stunde immer wieder Unruhe auf und es wurde viel Zeit mit Ermahnungen und Aufmunterungen verbraucht. Da ich aufgrund der anstehenden Lehrprobe noch kein LdL anwenden sollte, versuchte ich, Teile davon einzubauen.

Die Sitzordnung wurde trotz der großen Schüleranzahl in eine U-Form abgeändert. Klingt wahnsinnig, und das war es zunächst auch. Hier muss noch erwähnt werden, dass im Klassenzimmer alte, schwere Holztische standen… Es herrschte also großes Chaos und vor allem Lärm. Das Chaos bekamen wir durch gezielte Ansagen und das Zeichnen eines Plans in den Griff. Den Lärm, wenn 31 Kinder schwere Tische über den Boden schieben, leider nicht. Außerdem benötigten wir zu viel wertvolle Unterrichtszeit.

Die Schüler wollten aber dennoch an der U-Form festhalten, weil man „da viel besser mit den anderen reden kann“, „sich anschauen“ und „besser aufpassen und sehen kann“. Das Prinzip hatten sie also verstanden und meine Seminarlehrerin brachte mich dann auf die rettende Idee. Gegen eine kleine Belohnung (ab sofort hatte ich immer Gummibärchen dabei) sollten Schüler auf freiwilliger Basis kurz vor Ende der Pause kommen und die Tische umstellen. Und siehe da, es hat geklappt! Gerade die verhaltensauffälligeren Schüler waren ab diesem Zeitpunkt IMMER zuverlässig zur Stelle und halfen fleißig mit. Sie sprachen sich in der Pause ab und wechselten auch mal durch, was gleichzeitig den Teamgeist stärkte. Ich war richtig stolz auf meine Schüler.

Kurz, aber dennoch ertragreich

Nach der Lehrprobe (natürlich in U-Form), die ich vor allem aufgrund meiner pädagogischen Leistung in der Klasse mit der Note sehr gut (endlich) abgeschlossen hatte, begann ich sofort mit LdL. Dabei behielt ich das bewährte Schema bei, das auch in der anderen 7. Klasse so gut funktioniert hatte. Allerdings kamen nun andere Probleme auf. Die Schüler hatten große Hemmungen, Französisch zu sprechen und taten dies zunächst auch nicht besonders gut. Also führten wir den „Bob l’Éponge“ ein: der kleine Plüsch-Spongebob wurde immer an die Person weitergereicht, die zuletzt Deutsch gesprochen hatte. Wer ihn am Ende der Stunde in der Hand hielt, bekam eine kleine Zusatzaufgabe. Die Tafel besonders schön wischen, das Zimmer mit aufräumen oder auch mal ein Lied singen oder eine Rede halten. Von da an bemühten sich die Kinder sehr, das Deutsche zu vermeiden und es war ihnen auch nicht mehr peinlich, französisch zu sprechen.

Die ersten LdL-Einheiten verliefen gut und einzelne Schüler überraschten mit ihren Beiträgen. Da ich auch in meiner unkomplizierteren, dennoch lebhaften Spanischklasse (9. Jahrgangsstufe) LdL eingeführt hatte und dies hervorragend lief, organisierte ich eine schulinterne Fortbildung, zu der ich auch Jean-Pol Martin und Isabelle Schuhladen  Le Bourhis einlud. Leider musste die geplante Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden, da mich die Spätfolgen eines Autounfalls bis zum Ende des Referendariats außer Gefecht setzten. Es war wirklich schlimm, da ich so gerne noch weiter mit den beiden Klassen gearbeitet hätte.

3. Wie geht es weiter?

Mittlerweile bin ich wieder fit und arbeite an einer tollen kleinen Förderschule. Ich leite eine 1. Klasse im zweiten Lernjahr und stehe nun vor ganz anderen Herausforderungen. Durch den Schulartwechsel lerne ich vor allem aus pädagogischer und didaktischer Perspektive unglaublich viel dazu. Nach den Ferien werde ich etwas ausprobieren, an dem ich noch feilen muss. Ich nenne es Mini-LdL. So viel darf schon verraten werden: es gibt für jedes Fach Spezialisten, die den anderen Kindern helfen. Heterogenität ist ein großes Thema (nicht nur) in meiner Klasse und damit will ich arbeiten. Für Anregungen und Vorschläge bin ich natürlich offen, also immer her damit!

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